Das Märchen von der Führung

Diese Geschichte erzählte ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 22.05.2017 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Kennen Sie die Archetypen von C.G. Jung?

Neulich war ich auf einem Seminar, auf dem die 4 wichtigsten – der König, der Liebhaber, der Krieger und der Magier – behandelt wurden. Von diesen hat mich der König am meisten fasziniert, deshalb möchte ich Ihnen heute darüber eine Geschichte erzählen:

Es war einmal eine Prinzessin namens Sofia. Leider war ihr Leben alles andere als märchenhaft, denn ihre Mutter war sehr früh verstorben und so verbrachte sie ihre frühe Kindheit als Halbwaise. Ihr Vater, König Friedmund, war ein herzensguter Mensch, der ihr als Kind nach besten Kräften versuchte, die fehlende Mutter zu ersetzen. Dennoch wünschte sich Prinzessin Sofia manchmal mehr Raum, um das Leben selbst erforschen zu können, aber natürlich fehlte ihr vor allem ihre Mutter sehr.
So war Prinzessin Sofia nach Jahren des übervorsichtigen Behütens dann auch froh, als ihr Vater nach einigen Jahren wieder heiratete und wieder eine Königin an seiner Seite hatte: „Endlich werde ich wieder eine Mutter und ein Vorbild haben!“ Weiterlesen

Gesunde Menschen – gesundes Unternehmen

Kürzlich wurde ich gefragt – weil mich meine Visitenkarte als Wirtschaftsingenieurin und Burnout-Lotsin ausweist – wie denn diese beiden scheinbar so verschiedenen Berufs-bezeichnungen zusammenpassen würden. Oder ob ich “gescheitert” wäre – nun Letzteres hängt sicherlich primär von Ihrem Verständnis von Erfolg und Scheitern ab, fokussieren möchte ich mich in diesem Beitrag aber eher auf die erste Fragestellung.

Ganz einfach: In meiner ersten Berufslaufbahn (als Wirtschaftsingenieurin angestellt im Einkauf, aber hauptsächlich im Controlling eines produzierenden Großkonzerns) durfte ich mich primär dafür engagieren, dafür zu sorgen, dass “die Zahlen” passten.
Durch die Verbesserung der Kostenstruktur sollte ich meinen Beitrag dafür leisten, dass das betriebswirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens den Erwartungen von Aktionären und Geschäftsführung entsprach. Ob diese immer realistisch waren oder nicht, ist eine andere Frage, aber Fakt ist:

Ohne eine gesunde Zahlenbasis, ohne ein betriebswirtschaftlich gesundes Geschäftsergebnis –  kein gesundes Unternehmen. Und langfristig auch keine gesunden Mitarbeiter (wenn überhaupt welche).

Denn diese müssen ja entsprechend gezahlt werden. Das gilt für große Konzerne wie
für Ein-Mann-(oder Frau-)Unternehmen. Wenn im Unternehmen langfristig finanzielle Ressourcen mißachtet werden, hat auf Dauer niemand seine Freude an der Arbeit.
Insolvenz droht.
Das kann sich auf mehrere Arten äußern: Entweder gehen die Mitarbeiter (meist nicht freiwillig) aufgrund von Entlassungen, oder sie gehen von alleine – weil sie sich woanders bessere Chancen / mehr Geld / mehr Freude erhoffen.
Was auch ungünstig ist, denn erfahrungsgemäß gehen die engagiertesten und leistungs-fähigsten Mitarbeiter als erstes – und mit ihnen wertvolles Know-How.

In einem Kleinunternehmen ist es ähnlich: Wenn der Unternehmer und ggf. auch seine treuen Gefährten rund um die Uhr, rund ums Jahr ohne Urlaub am Rad drehen – in der Hoffnung so das finanzielle Ruder herumzureißen – begeben sie sich damit häufig an den Rand ihrer körperlichen Belastbarkeitsgrenze. Oder darüber hinaus, bis zum Zusammen-bruch. Leider bricht dann nicht nur der Unternehmer zusammen, sondern meist das Schiff, seines Unternehmens gleich mit.

Andersherum kann jedoch auch das Unternehmen nicht dauerhaft betriebswirtschaftlich gesund sein, wenn nicht auf die Ressource der physischen oder psychischen Gesundheit geachtet wird:
Ohne gesunde Mitarbeiter und ohne einen gesunden Unternehmer kein gesundes Unternehmen.
Logisch, denn wie kann ein Mensch, der angeschlagen ist, Schmerzen oder Sorgen anderer Art hat, ein gutes, innovatives und professionelles Ergebnis abliefern?
Apropos Ergebnis: Schon im Physik-Unterricht war Leistung ist Arbeit pro Zeiteinheit, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das heißt, wenn  “Arbeit” geringer wird und/oder die dafür benötigte Arbeitszeit ins Unendliche gesteigert wird, reduziert sich das Gesamt-ergebnis von “Leistung”. Länger Arbeiten hilft also auch nicht immer viel.

Und genau aus dem Grund, dass mir die Gesunheit des Leistungs- (nicht Kosten-!)Faktor Mensch mir in meiner bisherigen Laufbahn zu kurz kam, dass ich den Eindruck gewann, dass häufig die wirtschaftliche Gesundheit des Unternehmens zu Lasten der physischen oder psychischen Gesundheit der Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt wurde, widme ich mich heute dem Thema aus einem anderen Blickwinkel. Es ist also kein Widerspruch, sondern vielmehr ein Perspektivenwechsel.

Wie nun offensichtlich geworden ist, ist das Gebilde aus Gesundheit des Unternehmens und Gesundheit der Mitarbeiter ein unschöner Teufelskreis. Was können Sie als Unter-nehmer also tun? Achten Sie auf und investieren Sie in ein wichtiges Gut – die eigene und die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter.

Das geht am besten wenn Sie sich dazu temporär jemanden mit an Bord holen – zum Beipiel einen Lotsen. Idealerweise jemanden, der sich sowohl mit Gesundheit als auch mit Finanzen auskennt. Und damit wären wir wieder bei der Eingangsfrage, was ein Wirtschaftsingenieur/Controller mit einem Burnout-Lotsen gemeinsam hat…

Bitte bleiben Sie gesund!
Herzlich

Ihre Christina Bolte

Nachhaltigkeit und Burnout -Teil 4

In meinem letzten Beitrag schrieb ich über den Zusammenhang von Burnout, Konsum und Lebensfreude – und versprach Ihnen abschliessend, wie jeder von uns es schaffen kann, seine persönliches Maß an Lebensenergie bestmöglich zu erhalten. Es hat ein wenig gedauert, aber hier ist der Beitrag nun endlich…

Just in dem Moment, wo ich dieses schreibe, kommt mir spontan das Bild eines zarten Pflänzchens, dass von einem Gärtner liebevoll gepflegt und gegossen wird – und damit schließt sich auch wieder der Kreis zum ersten und zweiten Beitrag dieses Zyklus, denn mit dem Wort “Pflege” kommen wir wieder zum Begriff Kultur…

Natürlich sind weder Konsum noch Abenteuer und Erlebnis an sich etwas Schlechtes. Wichtig dabei ist jedoch zu hinterfragen  – am besten zunächst einmal sich selbst – mit welcher Einstellung ich etwas tue.

Greife ich gerade – und immer wieder – zur Schokolade (kann an dieser Stelle alternativ ersetzt werden durch Chips, Bier, Wein u. v. a.), weil ich Hunger habe oder Durst, um mich zu belohnen, um mich zu trösten oder sehne ich mich eigentlich nach etwas anderem?
Ich habe häufig erlebt, dass es eigentlich die Sehnsucht nach Anerkennung oder “Gesehen werden” ist die gestillt werden möchte, oder eine Innere Leere möchte gefüllt werden.

Die tägliche Nahrungssuche  stellt für die meisten von heute uns kein alltägliches Problem oder keine Lebensbedrohung mehr dar,  denn wenn Sie dies lesen, ist davon auszugehen, dass Sie neben einem Dach über den Kopf auch einen Computer oder ein anderes “mobiles Endgerät” wie es so schön heißt besitzen. Somit ist für die materiellen Bedürfnisse, um ein zufriedenes Leben führen zu können, gesorgt und unsere tägliche Arbeit ermöglicht uns häufig auch in großem Umfang (finanzielle) Unabhängigkeit, einen individuellem Ausdruck und Anerkennung.

Wie kann es wie es zu dieser Inneren Leere kommen? Aus meiner Sicht liegt es mitunter daran, dass wir in unserer Arbeit häufig nicht all unsere Fähigkeiten und Kenntnisse zum Ausdruck bringen und damit nicht unser volles Potenzial ausnutzen können. Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow nannte dies Wunsch nach “Selbstverwirklichung”.
Oder die Tätigkeit steht nicht im Einklang mit unserem persönlichen Wertegefüge. Wenn zum Beispiel im Job eine gewisse Kaltschnäuzigkeit und Rationalität gefordert sind, ich aber eigentlich lieber einen empathischen Umgang mit meinen Mitmenschen pflegen möchte, kann dies auf Dauer krank machen.

Insofern ist es wichtig, dass wir uns “zur richtigen Zeit im richtigen Job” befinden. Sind wir es nicht, heißt es Handeln – idealerweise bevor unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden leiden.

In diesem Sinne – halten Sie nach!

Ihre Christina Bolte

Was Nachhaltigkeit mit Burnout zu tun hat – Teil 3

In meinen letzten beiden Beiträgen zum Thema Nachhaltigkeit (die Sie hier und hier finden), hatte ich mich mehr auf die Auswirkungen und Handlungsspielräume in einem Unternehmen gewidmet. Aber auch jeder und jede Einzelne ist von diesem Thema betroffen.
Denn wie ich in meinem ersten Beitrag erwähnte, hat Nachhaltigkeit viel mit einen verantwortungsvollen und weitsichtigen Umgang mit Ressourcen zu tun.

Ich möchte an dieser Stelle weniger darauf eingehen, inwieweit jeder einzelne seinen Beitrag zu den übergeordneten umweltbezogenen Aspekten leisten kann. Die Ressourcen, die ich jedoch gerne ansprechen möchte, sind Geld und Lebensenergie (oder allgemeiner formuliert: Gesundheit).

Ganz offensichtlich wird dies am Beispiel des Geldes: Wer langfristig mehr Geld ausgibt als er auf dem Konto hat, oder zumindest als regelmäßig wieder eingenommen wird, dem droht die (Privat-)Insolvenz. Zwar wollen es Kreditinstitute oder bankähnliche Unternehmen es den Konsumenten weis machen, wie “günstig” doch ein Ratenkauf oder eine Finanzierung ist, um damit den eigenen Umsatz zu fördern. Allerdings sind diese meist auch die letzten, die bereit sind auf ihre Forderungen zu verzichten, wenn der Gläubiger später – aus welchen schicksalhaften Umständen auch immer – zahlungsunfähig sein sollte.

Dennoch schränkt jede Kreditaufnahme, die zu mehr oder weniger kurzfristigen Konsumzwecken getätigt wird und der keine Einsparungen oder Einnahmen entgegen stehen (denn dann wäre es eine Investition) bis zu dessen Rückzahlung den zukünftigen (finanziellen) Handlungsspielraum ein.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Lebensenergie: Gemäß den chinesischen QiGong-Meistern wird jeder Mensch mit einem bestimmten Potenzial an Lebensenergie geboren – die allgemeine Lebensführung wie auch erworbene Krankheiten erschöpfen dieses Lebensenergiekapital eines Menschen unterschiedlich stark.

Das bedeutet, dass dauerhafter Stress im Alltag, mangelnde oder übertriebene Ausübung von Sport wie auch schlechte Ernährungsgewohnheiten genauso “Substanz-zehrend” für den Menschen sind, wie ein zu großer Konsum für ein Bankkonto. Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen, Burnout oder Depressionen können die Folge sein. Ob es in den chinesischen Lehren so etwas wie einen Lottogewinn für die Lebensenergie gibt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies beispielsweise einer Phase der frischen Verliebtheit vergleichbar ist, wenn man wochenlang beflügelt durch die Welt geht. Aber – wie beim Lotto auch – dauert die Euphorie meist nicht allzu lange an.

In meinem Umfeld oder in meiner Praxis höre ich immer wieder, viele der eben erwähnte Erkrankungen oder Depressionen seien angeboren – oder zumindest erblich bedingt. Das stimmt leider nur teilweise: Denn genetisch bedingt ist immer nur eine bestimmte Anlage oder Wahrscheinlichkeit, vergleichbar einer angeborenen Schwachstelle (in der Medizin spricht man von einer Disposition).
Durch übernommene oder neu erworbene Fähigkeiten und gesunde bzw. ungesunde Verhaltensweisen kann aber jeder Mensch darauf Einfluss nehmen, ob diese Art Soll-Bruchstelle tatsächlich anknackst oder stabil bleibt.

Wie ich bereits hier schrieb, muss dabei ein auf Abenteuer und Erlebnis ausgelegter Lebensstil nicht einmal im Widerspruch stehen zu einem gesundheitsbewußten Lebensstil und Lebensfreude.
Tut ein Mensch alles ihm Mögliche, um seine Lebensenergie – wie viel oder wenig ihm davon auch immer mit auf die Welt gegeben wurde – so gut wie möglich zu erhalten, ist dies aus meiner Sicht ein nachhaltiger Umgang mit den persönlichen Energieressourcen.

Wie das konkret gehen kann, können Sie demnächst im vierten Teil lesen…

Was Nachhaltigkeit mit Burnout zu tun hat – Teil 2

Beim letzten Mal hatte darüber geschrieben, dass Nachhaltigkeit sich nicht nur auf umweltpolitische Aspekte in einem Unternehmen bezieht sondern auch Auswirkungen auf dessen Personalpolitik haben kann und sollte.

Denn wird die “Ressource Mensch” dauerhaft vernachlässigt, kann das für ein Unternehmen langfristig verschiedene Auswirkungen haben:

  • Beispielsweise kann durch plötzliche Kündigung oder (Früh-)Pensionierung von Mitarbeitern wichtiges Know-How verloren gehen, sofern dies nicht im Rahmen einer persönlichen Übergabe oder von Wissensmanagement-Projekten weitergegeben wurde   – oder –
  • Aufgrund der im letzten Beitrag erwähnten psychischen Erkrankungen, die erfahrungsgemäß meistens über mehrere Monate andauern, steht dem Unternehmen die entsprechende Arbeitsleistung sowie ebenfalls deren Know How zumindest temporär nicht zur Verfügung.
  • Von den Krankheitskosten, die durch die Abwesenheit des Mitarbeiters entstehen, einmal abgesehen, entsteht dem Unternehmen möglicherweise auch dadurch weiterer Schaden, dass seine Zuverlässigkeit und seine Termintreue gegenüber den Geschäftspartner sinkt.
  • Wenn nun die anstehenden Aufgaben auf die verbleibenden Mitarbeiter verteilt werden, deren Arbeitszeit (und Belastbarkeit!) aber nun einmal ebenfalls begrenzt ist, riskiert der Vorgesetzte den Ausfall weiterer Mitarbeiter.
    Im Fachterminus heißt dies “Burnout-Kaskade”.

Was können Sie also tun, um einerseits die physische wie psychosoziale Gesundheit der Mitarbeiter und deren Knowhow (und damit die Leistungsfähigkeit) sowie andererseits die Motivation und Begeisterungsfähigkeit (also die Leistungs-bereitschaft) seiner Mitarbeiter zu erhalten?

Nun, aus meiner Sicht sind dafür mehrere Faktoren erforderlich, von denen die klassischen die nach außen ersichtlichen Entlohnungsfaktoren sind:

  • Die fixe und erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile, das können sein Firmenautos oder -telefone, private Nutzung von diestlich erworbenen Freimeilen oder andere Incentives. Erfahrungsgemäß bietet eine Gehaltserhöhung aber immer nur kurzfristige Movitation und Befriedigung, bis sie für den Mitarbeiter als “normal” empfunden wird. Dieser Lösungsansatz allein ist also nicht ausreichend.
  • Genausogut können das aber auch Leistungen sein, die direkt oder indirekt die Gesundheit der Mitarbeiter beeinflussen, wie eine ggf. bezuschusste Kantine, Zuschüsse für Mitgliedschaften im Sportverein oder Fitnessstudio, Entspannungs- und sonstige Freizeitangebot.
  • Auch Firmenkindergärten, flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zu Teilzeit oder Heimarbeitsplätze vereinfachen vor allem den Alltag von Mitarbeiter/innen mit Kindern und wirken sich so positiv auf deren Motivation aus.

Der Vorteil dieser Maßnahmen ist nicht nur, dass diese nicht nur gut meß- und kalkulierbar sind. Sie lassen sich auch nach außen hin wunderbar nachvollziehen und vermarkten (z. B. auf der firmeneigenen Website).

Nicht zu unterschätzenden Einfluss haben jedoch auch das Unternehmensklima und der allgemeine Umgang unter den Mitarbeitern bzw. zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Und damit schließt sich auch fast schon wieder der Kreis zur Forstwirtschaft, die ich am Anfang des ersten Teils erwähnte. Denn Kultur (von lat. cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“; Quelle: Wikipedia) hat eben viel mit „pflegen” und auch mit “verehren” zu tun, also mit dem gegenseitigen Umgang.

Genausowenig wie ich von einem Acker oder Garten, den ich nicht dünge und/oder gieße, erwarten kann, dass er einen reichen Ertrag bringt, kann ich das von einem Mitarbeiter, den ich nie lobe oder fördere oder im schlimmsten Fall noch mit Jobverlust erpresse. Die schwäbische Mentalität “Nicht geschimpft ist Lob genug” ist an dieser Stelle wirklich kontraproduktiv, denn – und das muss selbst ein Schwabe zugeben – ein (ehrlich gemeintes) Lob ist nicht nur die kostengünstigste Motivation, die Sie Ihren Mitarbeitern bieten können, sondern wirkt sich positiv auf deren Motivation wie auch auf das Betriebsklima aus.

Zu einem Minimum an Kultur gehört es aus meiner Sicht, die Kollegen im gleichen Büro zu Arbeitsbeginn zu begrüßen, pünktlich zu Besprechungen zu erscheinen und während dieser nicht nebenbei mit dem Handy zu telefonieren. Ich persönlich habe es häufig genug als unangehm und auch demotivierend erlebt, wenn ich als Vortragende einer Präsentation o. ä. zu Menschen spreche, die mehrheitlich vor ihrem eigenen Laptop ihre Emails bearbeiten.

Eine andere Frage, die Sie sich stellen können ist jedoch, ob es in Ihrem Unternehmen eher eine Kultur des Mißtrauens und des Gegeneinander bzw. der “Verdrängung” gibt, in der jede anstehende Leistungsbeurteilung den Mitarbeitern bereits im Vorwege wochen-lang schlaflose Nächte beschert?

Oder herrscht bei Ihnen eher eine Vertrauenskultur gibt, in der jeder Mitarbeiter seine Bedenken und Kritik ohne Angst vor Nachteilen äußern und in der jeder jeden bei Bedarf ansprechen kann. Auch gehört dazu, offen zu Fehlern stehen zu können, damit diese so rasch und lösungsorientiert wie möglich korrigiert werden, anstatt sie zu verschleppen, was eine Behebung meist langwierig und teuer werden läßt.

Natürlich ist dies alles schwer messbar, erst recht von außen. Ein Unternehmens-Leitbild kann ein Indikator für die Unternehmenskultur sein, muss es aber nicht. Denn so ein Leitbild hat natürlich nur eine positive Auswirkung auf die Mitarbeiter-Motivation und
-gesundheit, wenn den Mitarbeitern darin auch ein entsprechend hoher Stellenwert als Erfolgsfaktor und nicht als Kostentreiber eingeräumt wird. Natürlich wirkt er sich erst recht nur positiv aus, wenn es auch entsprechend gelebt wird.

Dabei ist Unternehmenskultur nichts, was sich von heute auf morgen verordnen lässt, sondern etwas, was sich über Jahre bis Jahrzehnte aus gelebter Praxis entwickelt, am besten, indem die oberste Geschäftsführung mit gutem Beispiel vorangeht. Wobei das mit dem Vorleben allerdings manchmal ein wenig schwierig ist, denn was der eine als angenehm empfindet, mag einem anderen Kollegen sauer aufstossen.

So zum Beispiel ist der Spruch, der sich an einen um 17 oder 18 Uhr Feierabend machenden Kollegen richtet: “Nimmst Du heute wieder einen halben Gleittag” zwar meist scherzhaft gemeint. Dennoch ist er weder für die psychosoziale Gesundheit der einzelnen Mitarbeiter noch für das Betriebsklima wirklich dienlich, da unter den Mitarbeitern ein gewisser Leistungsdruck und Angst vor Versagen bzw. Nicht-Genügen erzeugt wird. Darüber hinaus wird durch Sprüche dieser Art auch ein gewisser Wettbewerb unter den Kollegen geschürt, die Mitarbeiter verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, sich aufwendig persönlich abzusichern und zu allen Seiten abzustimmen. Entscheidungsfreude und wahres Unternehmertum bleiben so auf der Strecke.
In diesem Fall werden die oben als Motivationsfaktoren angeführten Maßnahmen aus Angst vor persönlichem Imageverlust (“Wenn er Zeit für so etwas hat, hat der nichts zu tun,” oder “Wer lacht, hat noch Ressourcen frei”) nicht genutzt und verkümmern so zu blosser Kosmetik.

Zu einer wirklich nachhaltigen Form der Unternehmenskultur gibt Ihnen dieser Beitrag zum Thema “Gesundheitsgerechte Unternehmenskultur“, den ich gerade im Web entdeckt habe, ein paar Anregungen.

Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion!

Was Nachhaltigkeit mit Burnout zu tun hat – Teil 1

Nachhaltigkeit ist ja mittlerweile schon fast ein alter Hut, kaum einer mag es mehr hören.
Ursprünglich aus der Forstwirtschaft kommend, mit der Bedeutung, dass nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann (vgl. Wikipedia, Begriffs-herkunft), wird der Begriff heute eher in dem Zusammenhang mit der Bedeutung eines verantwortungsvollen und weitsichtigen Umgangs mit natürlichen oder schwer zugänglichen Ressourcen verwendet.

Egal, ob es sich um die Optimierung des Energieeinsatzes, die Verwendung nachwachsender Rohstoffe oder alternativen Energiequellen oder ein gezieltes Abfallmanagement – häufig bezieht sich der Begriff Nachhaltigkeit auf Bereiche des Umweltschutzes. Wobei kaum ein Unternehmer sich dieses Themas aus reinem Gutmenschentum heraus annimmt, denn viele der genannten Maßnahmen schonen auch den eigenen Geldbeutel.

Denn auch der Faktor Geld ist eine Ressource, mit der es nachhaltig umzugehen heisst. Denn wenn ein Unternehmen (oder auch eine Privatperson oder -haushalt) dauerhaft mehr Geld ausgibt als zur Verfügung steht, führt dies unweigerlich zur Insolvenz.

Um dem steigenden Kostendruck gerecht zu werden und dies zu vermeiden, greifen Unternehmer häufig zu vielfältigen Maßnahmen: Kosteneinspar-Pakete und Stellenabbau sind die häufigsten, über die in der Presse zu lesen ist. Somit sollen Personalkosten eingespart werden und die bestehende Arbeit durch weniger Mitarbeiter erledigt werden.

Leider wird dabei häufig übersehen, dies zwar vordergründig nachhaltig zu sein scheint, langfristig dabei allerdings auf Kosten des Personals (engl.: Human Ressource) gehandelt wird. Es mag zwar makaber klingen, Mitarbeiter als Ressource zu betrachten, dennoch finde ich den Vergleich im Zusammenhang mit dem Begriff Nachhaltigkeit gar nicht so abwegig. Denn zum einen handelt es sich tatsächlich um eine natürliche Ressource, um lebendige Menschen aus Fleisch und Blut, die ihre Fachkenntnis und Begeisterungsfähigkeit in ihre Arbeit mit einbringen. Und auch wenn sich diese Tatsache noch nicht flächendeckend herumgesprochen hat – ist die Ressource aber durchaus schwieriger zugänglich, als es scheint. Stichwort: Demografischer Wandel.
Darüber hinaus läßt sich auch feststellen, dass Menschen nicht unbegrenzt belastbar sind, die Medien waren in den letzten paar Jahren voll von Berichten über steigende Fallzahlen von Burnout, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.

Daher, lieber Unternehmerinnen und Unternehmer, möchte ich an dieser Stelle plädieren für einen nachhaltigen Umgang mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Man kann heutzutage viele Produktionsschritte und andere Prozesse automatisieren. Aber in einem können die ganzen Maschinen und Anlagen mit Menschen nicht mithalten: Mit Leidenschaft und Weiterdenken.

Deshalb: “Pflegen und warten” Sie Ihr Personal, und gönnen Sie ihnen angemessene Auszeiten. Denn nicht nur Maschinen und Anlagen haben eine Auslegungsgrenze und benötigen Wartungsintervalle, für Mitarbeiter gilt das gleiche.

Wenn Sie dabei Unterstützung brauchen, helfe ich Ihnen gerne weiter.

Herzliche Grüsse und
ein erholsames Wochenende

wünscht Ihnen
Christina Bolte

Work-Life-Balance – oder: Das Prinzip Freude…

Dieser Beitrag ist Bestandteil eines Vortrages zum Thema Work-Life-Balance, den ich im April 2010 anläßlich des “Aktionstages Gesundheitsbewegung – Wir bringen Bewegung in Ihre Gesundheit” hielt. Der Aktionstag fand damals – passend zur Bewegung – in einem (BMW-)Autohaus in München statt.

Als ich ein paar Wochen zuvor anfing, in meinem Bekanntenkreis von dieser Gesundheits-ausstellung im Autohaus zu erzählen, fragten mich viele, worin denn überhaupt der Zusammenhang bestünde und was denn Gesundheit überhaupt mit Auto zu tun hätte. Passenderweise war mir etwa drei Wochen die folgende kleine Anekdote passiert, die ich an dieser Stelle erzählte:

Ich war eine längere Strecke mit meinem Auto unterwegs, als auf einmal das kleine Warnlämpchen mit dem Motorsymbol anfing zu leuchten. Nachdem gerade das Auf-leuchten dieses Lämpchen so viele verschiedene Ursachen haben kann, bin ich also in die Werkstatt gefahren, um den Fehlerspeicher auslesen zu lassen. Und wissen Sie, was die Fehlermeldung war? Sie lautete „Falsches Gemisch“.

Nun, beim Auto bezieht sich das natürlich auf das Kraftstoff-Luft-Gemisch, das bei der Verbrennung im Motor optimal eingestellt sein muss, damit das Auto eine optimale Leistung in Verbindung mit einem ressourcen-schonenden Verbrauch erbringen kann. Außerdem kann es bei einem falschen Gemisch zu Rückständen im Motor kommen, mit dem Risiko dass dieser vorzeitig ausfällt.

Was hat das nun mit dem Titel meines Vortrags, mit Work-Life-Balance zu tun? Nun: Auch bei uns Menschen kommt es darauf an, dass die „Zutaten“ unseres Lebens eine für uns persönlich optimale Mischung haben, damit wir eine möglichst lange Lebensdauer bei bestmöglicher Gesundheit haben können.

Denn Balance ist englisch und bedeutet sowohl Balance, Ausgeglichenheit, Aus-gewogenheit, als auch Waage. In diesem Zusammenhang sprechen wir von der Ausgewogenheit zwischen Work, also Arbeit, in ihrer vielfältigsten Form, auf der einen Seite – und Life, also Leben, auf der anderen Seite.

Das ganze verdeutlichte ich mit dem folgenden Beispiel:

Auf der einen Seite ist die Waagschale mit WORK, also Arbeit. Das ist neben der beruf-lichen Arbeit auch die Fahrtzeit dorthin (und wieder nach Hause). Außerdem gibt es noch weitere Verpflichtungen,  Hausarbeit, Besorgungen, Gartenarbeit, Schularbeiten­aufsicht beispielsweise.
Was das in Stunden ausmacht, können die meisten von uns sicherlich gut beziffern.

Die Frage, die daraus resultiert ist: Ist der zeitliche Umfang Ihrer Arbeit in Ordnung für Sie? Oder ist es Ihnen zu viel?

Die zweite Waagschale ist das, was einen Ausgleich darstellen könnte. Was gehört für Sie zum LIFE – zum Leben dazu? Hier ein paar Beispiele:

  • Familie bzw. Partnerschaft / Beziehung:
    Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrer Familie? Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin / Ihrem Lebensgefährten oder Ihrer Lebensgefährtin? Reicht Ihnen das? Verbringen Sie die Zeit dann mit gemeinsamen Interessen oder streiten Sie eher nur?
    Wie oft sehen Sie Ihre Kinder oder beispielsweise Ihre Eltern, die gehören ja auch zur Familie? Und was machen Sie zusammen mit Ihren Kindern, wenn Sie sie sehen? Spielen Sie mit ihnen und haben Sie Spaß dabei? Erziehen Sie Ihre Kinder nur, statt ihnen zu spielen, lesen, ihnen zuzuhören usw.  oder würden Sie sie am liebsten genervt weg schicken, weil Sie so k.o. von der Arbeit sind?
  • Soziales Umfeld:
    Wie viel Zeit verbringen Sie mit Freunden, oder mit anderen Menschen, die Sie zum Beispiel aus Vereinen, Parteien oder sonstigen Freizeit­organisationen kennen? Reicht Ihnen das oder würden Sie gerne mehr, oder häufigere Kontakte pflegen? Sind es Ihre Kontakte oder die Ihres Partner / Ihrer Partnerin?
    Oder sind Sie evtl. nur genervt von all den Menschen, die immer irgendetwas von Ihnen wollen, sich aber doch gar nicht in Sie hineinversetzen können und sowieso keine Ahnung haben, was Sie eigentlich bewegt?
  • Sport:
    Wie oft machen Sie Sport? Ob das nun Radfahren, Fußball, Wandern, der Besuch im Fitnessstudio oder der tägliche Fußweg (die Betonung liegt hier auf Fuß-Weg) zur Arbeit ist, ist da ja zweitrangig?  Und wie intensiv? Reicht Ihnen das? Können Sie Ihren Sport genießen oder machen Sie ihn aus einem Pflichtgefühl heraus?
  • Gesundheit:
    Wie steht es um Ihre Gesundheit? Leiden Sie unter Stress, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rücken- oder anderen Gelenk-schmerzen oder Depressionen? Dies alles sind leider sehr häufige Folgen eines unausgewogenen Lebensstils.
    Auch häufige Erkältungen, Hautausschläge oder andere Zeichen eines schwächelnden Immunsystems sind leider in unserer Gesellschaft ganz verbreitet.
  • Was sehr eng mit dem letzten Punkt zusammenhängt, ist das Schlafen.
    Wie viele Stunden schlafen Sie täglich? Reicht Ihnen das? Wie ist die Schlaf-Qualität? Schlafen Sie tief und fest durch und wachen erst am nächsten Morgen ausgeruht mit dem Wecker auf – oder  evtl. sogar ganz ohne Wecker? Oder kommen Sie abends nur schwer ins Bett und morgens nur wieder schwer heraus? Oder wachen Sie mitten in der Nacht mit starkem Herzklopfen und wilden Gedankengängen auf und wälzen dann wach von einer Seite auf die andere?
  • Was außerdem sehr eng mit dem Thema Gesundheit zusammenhängt, ist die Ernährung:
    Wie oft nehmen Sie regelmäßig am Tag eine Mahlzeit ein, und wie oft ist diese auch warm? Wie ist die Qualität des Essens, d. h. setzen Sie sich dabei hin?
    Sorgen Sie beim Essen für eine ruhige, angenehme Atmosphäre? Oder essen Sie morgens auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn und arbeiten mittags nebenher noch am Computer, weil Sie so viel zu tun haben?
    Und natürlich sollte auch die Kalorienzufuhr in einem angemessenen Verhältnis zur Bewegung, d. h. zum Verbrauch stehen.
    Kochen Sie eigentlich selbst (oder haben einen Partner/-in, der selbst kocht)? Essen Sie viel frisches Obst und Gemüse oder essen Sie meistens lieber eine Fertig-Pizza, ein belegtes Brot oder ein Sandwich und Schokolade, weil das so schön schnell geht?
    Ernähren Sie sich also mehr von Nahrungs-Mitteln oder von Lebens-Mitteln? Und was denken Sie, ist der Unterschied von Nahrungs- und Lebensmitteln?
  • Wie viel Zeit verbringen Sie eigentlich regelmäßig mit dem wertvollsten Menschen in Ihrem Leben? Mit wem? Na – mit sich selbst!? Wie viel Zeit nehmen Sie sich wirklich nur für sich selbst?
    Sie könnten sich zum Beispiel in Ruhe in die Badewanne legen, ein schönes Buch lesen, ganz entspannt eine schöne CD hören, eine Runde in der Natur spazieren gehen, sich kurz mal in die Sonne setzen oder einfach nur mal eine Runde herzerfrischend lachen.
    Haben Sie schon einmal bewusst ausprobiert, wie gut das tut? Wäre das nicht eine schöne Erfahrung, sich bewusst und gewollt selbst ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken, anstatt darauf zu hoffen, dass es jemand anders tut – was auch oft genug überhaupt nicht geschieht. 
  • Damit zusammen hängt außerdem auch noch ein anderer wichtiger Punkt: Stille bzw. geistige Einkehr und Zentrierung.
    Sie können sich darunter nichts vorstellen? Damit ist die bewusste Auseinander-setzung mit dem inneren „Ich“ gemeint, das sind Tätigkeiten – wobei das vielleicht das falsche Wort ist – nennen wir es eher „Übungen“, gemeint, wie z. B. Yoga, Entspannungsübungen, Meditation, Gebete, Schweigen, oder wie auch immer Sie es nennen möchten. In jedem Falle ist es ein „zur Ruhe kommen“, „in seine Mitte“ kommen, „aus dem Alltag heraustreten“.

Natürlich gibt es da auch Schnittmengen, z. B. wenn Sie sich mit Ihren Freunden zum Joggen verabreden oder im Verein Fußball spielen, kann das Sport sein oder auch soziales Umfeld, genauso wie Angeln ebenfalls Sport, soziales Umfeld oder Meditation sein kann. Nun ja, jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, nun zurück zum Thema.

Wer mag, kann an dieser Stelle dem Beispiel folgen, dass Sie hier finden.

Was können Sie also zum Ausgleich tun, wenn Sie feststellen, dass sich Ihre Lebens-balance im Ungleichgewicht befindet? Am besten nehmen Sie sich nicht gleich alles auf einmal vor, denn wenn Sie sich vornehmen, von heute auf morgen alles umzukrempeln, und es nicht sofort klappt, ist das natürlich demotivierend und frustrierend. 
Insofern ist es sinnvoll, langsam vorzugehen und eines nach dem anderen anzuschauen. Schritt für Schritt – und mit der nötigen Toleranz und Geduld mit sich selbst.

Zunächst einmal können Sie die WORK-Waagschale, also die Seite mit der Arbeit verändern. Verändern heißt in dem Fall: Reduzieren.

  • Das können Sie entweder tun, in dem Sie die Quantität reduzieren, also die Stundenanzahl. Dazu ein paar Gedankenanstöße und Ideen:
    – Wer sagt Ihnen, wie viel Sie arbeiten müssen? Ihr Chef? Sie sich selbst?
    – Haben Sie mal ausprobiert, einfach weniger zu arbeiten und mal zu schauen, wie vielen Leuten es überhaupt auffällt und wie viele Leute sich dann eigentlich tatsächlich beschweren? 
     (Falls Sie sagen, das ginge nicht: Das dachte ich vor ein paar Jahren auch, und dann hab ich es einfach mal ausprobiert. Und glauben Sie mir, wenn es nicht funktionieren würde, würde ich es Ihnen nicht empfehlen.)
    Also, bei mir waren es übrigens nur zwei Personen, denen es überhaupt aufgefallen ist, und von beiden hing zumindest bei mir keine Gehaltserhöhung ab…)
    Und selbst wenn bei Ihnen persönlich die Arbeit Spaß macht, ist bei Ihnen ein Mehr an Arbeit auch automatisch ein Mehr an Spaß? Wenn ja, herzlichen Glückwunsch.
  • Die Alternative zum Reduzieren der Stundenanzahl ist, den Inhalt der Waagschale also Ihre persönliche Belastung – leichter zu machen, indem Sie die Qualität erhöhen. Denn wenn Ihnen eine Sache Spaß und Freude macht, wirkt sie viiieel leichter, wie ein mit Gas gefüllter Luftballon, der Sie und Ihre Waagschale schweben lässt.
    Hier hilft Ihnen vielleicht die Fragestellung weiter: „Wobei fühlen Sie sich wohl?“ Das können Sie zum Beispiel dadurch erreichen, dass Sie Ihre Gestaltungsmöglich-keiten ausnutzen oder erweitern. Schaffen Sie sich Spielraum, übernehmen Sie Verantwortung, zeigen Sie Initiative.
    Suchen Sie sich die Aufgaben, die Ihnen Spaß machen, anstatt welche zugeteilt zu bekommen, die keinen Spaß machen. Die können Sie ja nicht mehr erledigen, denn Sie sind ja schon mit den anderen Aufgaben ausgelastet. Und wenn Sie sich schon nicht die Aufgaben und Ziele selbst aussuchen können, versuchen Sie wenigstens den Weg dorthin selbst zu suchen. Auch Delegieren ist unter Umständen eine Möglichkeit.Ganz wichtig ist übrigens dabei authentisch zu bleiben. Sich verbiegen schafft keine Lebens­qualität. Also verbiegen Sie sich nicht um ins Unternehmen zu passen, sondern suchen Sie sich langfristig eines das zu Ihnen passt. Stehen Sie ruhig zu sich und Ihrer Meinung, auch wenn sie anders ist. Die einzige Regel ist hier: Der Ton macht die Musik.Ganz entscheidend ist aber: Ärger können Sie nicht vermeiden. Denn Ärger oder sich ärgern ist eine Bewertung von Anlässen die von außen kommen, also wie Sie damit umgehen. Und andere kann man bekanntlich nicht ändern.
    Was Sie allerdings ändern können, ist die Art und Weise, wie Sie diese Anlässe bewerten. Eine Frage, die sich für mich in solchen Fällen zur Leitfrage entwickelt hat, ist die folgende:
    “Ist dieser Anlass, diese Sache so wichtig, dass ich mich auch in einer Stunde oder auch morgen noch darüber aufregen werde? Und vor allem: Ändert es etwas, wenn ich mich darüber aufrege, außer dass ich meine eigene Lebensqualität und –erwartung reduziere?!”

Zum anderen können Sie die zweite Waagschale verändern, also der Seite mit dem Leben „mehr Gewicht“ zu verleihen. Auch hier haben Sie wieder zwei Möglichkeiten:

  • Entweder Sie erhöhen die Quantität, die Menge an Zeit. Das Stichwort ist dann: Sich Zeit nehmen, für Ihre Familie und Freunde und für sich selbst. (Mir ist schon klar, dass das nur in begrenztem Umfang geht, weil für jeden der Tag nur 24 Stunden hat, wie wir hier gesehen haben.)
    Beispielsweise könnten Sie abends eher aus dem Büro nach Hause gehen um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und dann evtl. anschließend zu Hause weiter arbeiten, wenn die Kinder bereits im Bett sind.
    Oder Sie lassen einfach mal Radio oder Fernseher aus und erfahren so anstatt der Neuigkeiten aus der Welt – die ohnehin oft negativ und/oder oberflächlich sind – die Neuigkeiten aus dem Leben Ihrer Lieben.
     
  • Alternativ erhöhen Sie die Qualität dieser Waagschale: Indem Sie Ihre Gedanken und Einstellung dazu zu verändern. Das ist kein leichter, aber auf jeden Fall ein lohnender Weg.

Generell kann man also sagen, dass bei einer ausgewogenen Work-Life-Balance sowohl jede Seite einzeln aus auch das Gesamtkonstrukt mit dem Begriff „Lebensqualität“ zusammen gefasst werden kann. Wussten Sie eigentlich, dass der Begriff Lebens-qualität früher auch als Ars vivendi bezeichnet wurde, also „Lebenskunst“?  Sind Sie ein Lebenskünstler? Was ist Lebenskunst überhaupt?

Meiner Meinung nach ist Kunst in jedem Fall Geschmackssache, also subjektiv. Das heißt, Sie müssen Ihren persönlichen Weg finden. Das hat natürlich auch wieder was mit authentisch sein zu tun. Und mit Verantwortung, Selbst-Verantwortung, denn sie kommt aus Ihnen selbst.

Also, seien Sie verantwortungsbewusst und kreativ. Schaffen Sie sich das Kunstwerk Ihres eigenen Lebens. Pflegen Sie es, und pflegen Sie, was besonders an Ihnen ist und vor allem: Pflegen Sie sich selbst. Das Gute dabei ist, in puncto Gesundheit, Ernährung, Entspannung, Sport und geistige Einkehr kann ich Sie sogar unterstützen.

Aber ausprobieren müssen Sie es natürlich selbst . Glauben Sie mir – es macht unheimlich Freude! Und im Jargon des Gastgebers des Gesundheitstages gesprochen:  Freude … ist Energie… ist Power!
Sowohl mit Freude als auch mit Energie oder Power können in Ihrem Leben auch schwergewichtige Themen gaaanz leicht bewältigen.

Zum Abschluss meiner Gedankenreise noch eine Bitte :  
Nehmen Sie die Warnlampen in Ihrem Leben bzw. die Ihres Körpers ernst. Denn wenn Sie die Fehlerursachen beheben, können Sie schwerwiegende Ausfälle verhindern, und was viel wichtiger ist, Sie verlängern Ihre Lebensdauer und verbessern außerdem Ihre Lebensqualität!

Herzlichst,

Ihre Christina Bolte