Was die Unternehmenskultur mit Burnout zu tun hat

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte ich mich kürzlich auf eine für mich neue Art und Weise sehr intensiv mit dem Thema Burnout und dessen zahlreiche Ursachen. Da sich mir dadurch selbst einige neue Erkenntnisse und Zusammenhänge erschlossen, möchte ich einiges gerne mit Ihnen teilen.

Die Ursachen und Präventionsansätze von Burnout sind zweigeteilt:

Einerseits zählen zu den Ursachen von Burnout Faktoren, die mit dem Individuum zu tun haben, das betroffen ist oder eben auch nicht: eine hohe Leistungsmotivation bis zum Perfektionismus, ein hohes Anerkennungsbedürfnis, wenig andere Interessen, ggf. noch ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sowie ein unzureichendes Selbst-Bewusstsein — wobei ich diese Schreibweise mit Bindestrich und großgeschriebenem “Bewusstsein” bewusst gewählt habe, weil ich damit neben dem eigentlichen Selbstbewusstsein auch das Körperbewusstsein mit einschliessen möchte.

Hier setzt auch eine personenbezogene Prävention an: am Individuum und dessen Verhalten. Deshalb wird diese Art auch Verhaltensprävention[1] genannt, und im Wesentlichen ist das Individuum selbst für dessen Umsetzung verantwortlich – beispielsweise durch mehr Bewegung, oder weniger Fastfood, besseres Zeitmanagement, Erlernen eines Entspannungsverfahrens oder die Schulung konkreter, benötigter Fähigkeiten etc.
Arbeitgeber können hierfür lediglich Angebote schaffen.

Andererseits gehören zu den Ursachen von Faktoren, die im Unternehmen oder in der Organisation der Betroffenen liegen. Dazu zählen unter anderem (neutral formuliert:) schwierige Arbeitszeitmodelle mit unzureichenden Ruhepausen, permanente Erreichbarkeit, für den Mitarbeiter nicht transparente Ent- oder Belohnungssysteme, emotional belastende Aufgaben (wie es z. B. in der Pflege der Fall ist).
Diese Art der Organisationsbezogenen Interventionen werden auch Verhältnis-prävention genannt, denn Damit werden die Verhältnisse verändert, denen eine Person ausgesetzt ist.
Solchen Maßnahmen sorgen durch Veränderungen im Arbeits- oder  persönlichen Umfeld dafür, dass Personen weniger Stress ausgesetzt wird. Hierzu gehören beispielsweise Umgestaltung/Umstrukturierung von Arbeitsabläufen, Änderungen an Schichtarbeit oder Arbeitszeit im Allgemeinen sowie verstärktes Feedback oder Leistungsbewertungen. Aber natürlich zählt auch jede Maßnahme dazu, die dazu beiträgt, den Mitarbeiter in seiner Kompetenz zu stärken.

Ferner kann bei einzelnen Mitarbeitern der Kommunikations- und Führungsstil des Unternehmens oder einzelner Bereiche auch zu einem Burnout führen – wie auch die Unternehmenskultur generell. Hier ist es natürlich schwierig, eindeutig zu unterscheiden, ob es sich um die Verhältnisse (aus Sicht eines Mitarbeiters) oder um das Verhalten Einzelner, beispielsweise des/der Vorgesetzten handelt.

Aber was macht eigentlich eine gute Unternehmenskultur aus?

Nun, stark vereinfacht könnte man sagen, dass ein sehr wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld und/oder ein hierarchischer mit unklaren Ansagen und Vorgaben Burnout mehr begünstigen als eine harmonische Zusammenarbeit, wo jeder die gemeinsam gesteckten Zielvorgaben auf eigenem Weg erreichen darf. Tendenziell ist das sehr wahrscheinlich so, und ich halte es auch für wichtig, dass Vorgesetzte entsprechend geschult sind, um Zielvorgaben entsprechen klar zu formulieren und die Mitarbeiter dabei unterstützt, selbst mitzudiskutieren, welchen persönlichen Beitrag sie bestmöglich dazu beitragen können. Aber dennoch ist es m. E. etwas zu kurz gedacht.

Denn während ein leistungsorientiertes „Alpha-Tier“ in einer wettbewerbsorientierten Arbeitsumgebung gut und gerne seine Ellenbogen ausfahren kann, wird er vermutlich keinen einen Burnout erleiden, während ein feinfühliger Mensch sehr belastet und gestresst sein kann. Was der eine „toll“ findet, ist für den anderen das blanke Entsetzen.

Um es überspitzt darzustellen, wäre für einen wettbewerbsmotivierten Mitarbeiter ein Arbeitsumfeld mit hohem “Kuschelfaktor” wohlmöglich der Auslöser für einen Boreout.
Ebenso kann eine (zu) große Entscheidungsfreiheit bei der Arbeit, wie sie gerne gefordert wird, manche Menschen (zugegebenermaßen aber eher die Minderheit) auch schlichtweg überfordern – und deshalb zu einem Burnout führen.

Man kann also nicht per se behaupten, dass es DIE perfekte Unternehmenskultur gibt  oder DIE Unternehmenskultur, die Burnout begünstigt oder verhindert. Entscheidend ist hier primär die »Passung« zwischen der Situation, dem Umfeld und dem Individuum, auf neudeutsch auch Person-Environment Fit bzw. Misfit genannt.[2] 

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich manchmal die Passung erst im Laufe der Zeit und sukzessive auseinander- oder zusammenentwickeln kann, beispielsweise wenn die eine oder andere Seite (also Individuum oder Organisation) bewusst oder unbewusst ihre Wertevorstellungen verändert.
Ein klassisches Beispiel sind hier sicherlich die Unternehmensberatungen, deren Mitarbeiter – die 35 bis 40er Altersgrenze überschreitend – im Laufe der Zeit feststellen, dass es auf Dauer doch nicht so cool ist, permanent im Hotel zu wohnen und 17-Stunden-Arbeitstage zu haben, wenn man sich im Grunde seines Herzens nach einer stabilen Partnerschaft und evtl. auch Familie sehnt.

Sie als Unternehmer können neben der Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Basics im Arbeitsschutz (wie beispielsweise der Beurteilung der psychischen Gefährdungen Ihrer Mitarbeiter), einiges dafür tun, dass Ihre Mitarbeiter möglichst stressarm arbeiten können. Sie können nämlich dafür sorgen, dass Sie die richtigen Mitarbeiter auf den richtigen Positionen einsetzen. Richtige Positionen heisst an der Stelle den Fähigkeiten, Interessen und Neigungen des Mitarbeiters entsprechend.
Das bedarf allerdings sensibilisierte Führungskräfte, die es den Mitarbeitern im Dialog ermöglichen, dass derartige Themen – wie eine mögliche Überforderung – auch frei  angesprochen werden. Manchmal liegen die Lösungen auf der Hand. Sei es, dass der entsprechende Mitarbeiter eine spezielle Schulung bekommt oder bestimmte Sach- verhalte einfach zweck- und zielgerichtet neu definiert und geregelt werden. Die meisten Maßnahmen sind kostengünstiger als ein etwaiger Ausfall oder Minderleistung aufgrund einer psychischen Erkrankung oder aufgrund von Fehlbelastungen oder Demotivation (auch Präsentismus genannt).

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Analysen eine Hilfestellung zur Lösung etwaiger humansozialer Fragestellungen geben konnten. Sprechen Sie uns gern an, wenn Sie Fragen haben. Wir beraten Sie gerne!


[1] Andrea Lohmann-Haislah, Psychische Belastungen – was tun? Verhältnisprävention vor Verhaltensprävention, siehe unter www.baua.de/de/Publikationen/

[2]  Kurt Lewin (1936) und Henry A. Murray (1938) zitiert nach Matthias Burisch, Das Burnout-Syndrom, 2014, S. 94

Was Trauer mit Burnout zu tun hat

Anfang der Woche hatte ich eine sehr interessante Unterhaltung mit Herrn Ulrich Welzel, der sich beruflich mit Trauer am Arbeitsplatz befasst.
Es war ein sehr tiefgreifendes Gespräch, das mich sehr beschäftigt hat. Nicht nur weil wir die gleichen Ansprechpartner bei unseren Kunden haben, sondern auch, weil Trauern und Burnout einiges gemeinsam und miteinander zu tun haben. Daher möchte ich hier meine mit Ihnen Gedanken teilen, die sich in mir aus der Unterhaltung ergeben haben.

Nicht nur sind sowohl Burnout als auch Trauer am Arbeitsplatz Themen, die derzeit (noch?) wenig in der Öffentlichkeit thematisiert werden, wenn man mal von reisserischen Schlagzeilen und Aufmachern in den Printmedien absieht. Darüber hinaus besteht natürlich auch eine Wechselwirkung zwischen dem Trauern und einem Burnout-Prozess.

Denn wenn ein Mensch, der sich in seinem persönlichen Hamsterrad gerade so eben noch durch erhöhte Drehzahl (zumindest scheinbar) im Gleichgewicht halten kann, unerwartet in seinem familiären oder erweiterten Umfeld oder womöglich am Arbeitsplatz mit einem Todesfall konfrontiert wird, kann dies schon mal der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt – oder zum Platzen, je nachdem wie Sie wollen.

Fakt ist: Ein Trauerfall im persönlichen Umfeld rüttelt auf

Denn er konfrontiert uns mit unserer eigenen Endlich- und/oder auch Hilflosigkeit oder nimmt uns, gerade bei nahestehenden Angehörigen, die Orientierung. Abschied nehmen (müssen) schmerzt. Wer da nicht fest mit beiden Beinen im Leben steht und in sich selbst ruht, wird leicht aus der Bahn geworfen. Ein Zusammenbruch ist die Folge – auch wenn dieser vermutlich nicht unbedingt als Burnout sondern eher als Posttraumatische Belastungsstörung in die Akten eingeht. Eine Stabilisierung der eigenen Person wie Situation, eine Auseinandersetzung mit und Akzeptanz der eigenen Endlich- bzw. Hilflosigkeit sind wichtige und notwendige Schritte – ein Tun, was getan werden muss.
Wer sich diesen Schritten entzieht und der so weitermacht als ob nichts geschehen sei, sei es aus Zeitgründen oder weil es potenziell unangenehm oder unbequem ist, dem wird es früher oder später so gehen, wie dem Hochhaus, dessen Stahlbetonträger im Inneren zu viel Feuchtigkeit ausgesetzt sind: Lange Zeit passiert nichts und von außen ist häufig auch nichts zu sehen, aber innerlich rosten die Träger durch – sodass die langfristige Stabilität nicht mehr gewährleistet ist.

Aber auch andersherum gibt es einen Zusammenhang.
Denn auch ein ‘normaler’ Burnout (wenn es so etwas überhaupt gibt, an dieser Stelle meine ich damit jedenfalls einen ohne Todesfall) lädt ein zum Abschiednehmen: Vielleicht bin ich doch nicht so ein grenzenloses Kraftpaket wie ich immer dachte. Vielleicht kann ich doch nicht mehr überall mithalten (wie früher). Vielleicht bin ich auch doch nicht so flexibel, wie ich immer dachte. Vielleicht habe ich doch nicht (wofür mich andere immer schäz(t)en) für jede Sache eine Lösung parat. Vielleicht bin ich den ganzen Anforderungen nicht mehr gewachsen (ob diese von außen oder von mir selbst kommen, ist natürlich eine andere Sache). Vielleicht bin ich mit meinem Latein und/oder mit meiner Kraft einfach komplett am Ende…. Vielleicht ist es gerade (m)eine Fassade, die einstürzt. Da sind wir wieder bei der Hilflosigkeit.

Denn dieses Abschiednehmen bedeutet auch Trauern:

Um die Vergangenheit, die eigenen Grenzen, die eigene Verletzlichkeit. Evtl. aber auch um das Eingeständnis, dass mit meinem bisherigen Weltbild irgendetwas nicht funktioniert hat – sollte ich womöglich gescheitert sein?
Dennoch ist das Anerkennen dessen der erste Schritt zur Heilung: Das Fragen nach oder Annehmen von Hilfe, die Einsicht, dass sich nun etwas ändern muss/kann/darf. Klar, auch das tut weh, sehr weh. Ist aber langfristig die einzige Chance.

Nicht nur auf individueller Ebene neigt man/frau gerne dazu, diese Themen zu verdrängen, auch auf gesellschaftlicher. Anscheinend leben wir in Deutschland in einer Kultur (von Werbung & Medien unterstützt) in denen vordergründig “unangenehme” Themen wie Krankheit, Alter oder Tod zu ‘uncool’ sind für unseren hippen, ewig-jungen Lifestyle.
Nachdem aber Älterwerden und Tod niemandem im Leben erspart bleiben – und da ist das Leben äußerst gerecht, egal welcher Bevölkerungsschicht, Nationalität oder Bildungsgrad man angehört – tun wir gut daran, uns auch schon im frühen Erwachsenen-Alter damit auseinander zu setzen. Idealerweise schon bevor uns die eigenen Lebensumstände dazu auffordern.

Denn je früher man sich Gedanken macht, wie man im Alter sein Leben verbringen möchte – gesund oder pflegebedürftig, mit Familienangehörigen oder alleine, geliebt oder verachtet, erfüllt von dem Erlebten oder verbittert von dem Bereuten – desto eher kann man die entsprechenden Weichen im Leben stellen und sich für ein bewusst gestaltetes Leben entscheiden (und das schliesst auch den Abschied von einigen Optionen mit ein).

Welche Weichen möchten Sie stellen?

Welche Ziele möchten Sie am Horizont Ihres Alters erreicht haben? Dann ist JETZT ein guter Zeitpunkt für eine Kurs-Veränderung. Der nächste Kurs “Veränderung” startet laufend – damit Sie Ihre Lebensumstände bewußt gestalten anstatt Opfer der Umstände zu sein.

Herzlichst, Ihre
Christina Bolte

Das Leben nach dem Burnout

Neue Veranstaltungsreihe soll Burnout-Betroffenen Mut machen

In unzähligen Medienberichten über Burnout spekulieren Experten über die persönlichen wie gesellschaftlichen Ursachen des Phänomens, nur selten wird darüber berichtet, wie es für die Betroffenen danach weiter geht. Um diese Lücke zu schließen, findet unter dem Motto „Burnout – Der Weg zurück ins Leben“ ab März 2014 einmal pro Quartal in München eine neue Veranstaltungsreihe statt. Im Rahmen von regelmäßigen Podiumsgesprächen führt die Initiatorin der Ver- anstaltung, Gesundheitsexpertin Christina Bolte, durch ein persönliches Interview mit einem Betroffenen durch das Thema. Nach einer kurzen Einleitung zum Thema kommt jeweils ein Gast zu Wort.
Die betroffene Person berichtet von ihrem Burnout, der Integration und Umsetzung ihrer Erfahrungen und auch von ihrem neuen Leben “danach”. Durch deren per- sönliche Lebensgeschichte werden nicht nur die verschiedenen Auslöser für einen Burnout deutlich, sondern auch, dass nicht nur stressgeplagte Manager unter den Betroffenen sind.

Beim ersten Interview-Abend wird es um das Thema Selbständigkeit gehen – und um die Herausforderung, berufliche und private Anforderungen in Einklang zu bringen. Bei den weiteren Veranstaltungen kommen aber neben Burnout Betroffenen auch deren Angehörige sowie Fachleute aus angrenzenden Themen- bereichen zu Wort.

„Für viele Betroffene ist eine „Diagnose“ wie Burnout nicht nur ein Stigma sondern scheint zunächst auch das Ende ihres (Arbeits-)Lebens zu sein. Tatsächlich aber lernen viele Burnout-Betroffene im Rahmen von dessen erfolgreicher Bewältigung, ihre Segel neu zu setzen und können so einen neuen Lebenskurs einschlagen.“, weiß die Expertin Bolte. Andere Menschen, die befürchten betroffen zu sein, sollen durch die Veranstaltung ermutigt werden, sich ihrer Situation zu stellen, um so den bisher eingeschlagenen Lebenskurs zu überprüfen. Im Anschluss an das Gespräch ist Gelegenheit, um eventuell noch offene Fragen zu klären.

Bolte selbst hatte während ihrer langjährigen Tätigkeit im Controlling in der Industrie 2007 auch erlebt, was passiert, wenn man zu lange die eigenen Grenzen nicht beachtet. Krankheitssymptome wie Schlafstörungen, ein auffälliges Krebsvorsorge-Ergebnis und häufige Tränenausbrüche brachten sie damals dazu, sich in Therapie zu begeben. Ihre eigenen Erfahrungen hat sie mittlerweile in ihrem Buch „Burnout – Vom Jakobsweg zurück ins Leben“ verarbeitet, das kürzlich erschienen ist. Für sich selbst hat sie daraus die Konsequenzen gezogen und beruflich komplett umge- sattelt: Als Heilpraktikerin ist sie nun seit mehreren Jahren in der Behandlung und Prävention von Burnout tätig und leitet das Balance-Helpcenter in München, das ein regionaler Standort des bundesweiten Netzwerkes der Balance-Lotsen ist. „Sich einzugestehen, dass man erschöpft ist, dass man auch und gerade durch hohes Engagement ,ausbrennt‘, darf kein Tabu-Thema mehr sein. Uns ist dabei vor allem wichtig, den Betroffenen schnelle Hilfe vor Ort anzubieten, ohne lange Wartezeiten.“

Das Netzwerk der Balance-Lotsen bietet deshalb nachhaltige und ganzheitliche Unterstützungs-angebote. Betroffene oder auch deren Angehörige erfahren, an welchen Warnsignalen sie erkennen, wenn man ausbrennt, aber vor allem auch, wie sie aus dieser verhängnisvolle Spirale gemeinsam ausbrechen.
Daneben werden am Burnout-Helpcenter Unternehmen auditiert und deren Mitarbeiter im Rahmen von Vorträgen geschult. Auch werden dort Burnout-Sensoren ausgebildet, die als Experten für Prävention und Wiedereingliederung von Betroffenen in Betrieben zuständig sind. Sie nehmen in Unternehmen, Kommunen oder anderen Organisationen die Rolle eines „Ersthelfers“ wahr und stehen in ständigem Kontakt mit Balance-Lotsen und Balance-Helpcentern. Somit kann durch frühzeitiges Eingreifen das Auftreten von Burnout verhindert werden.

Veranstaltungsdetails:
Podiumsgespräch „Burnout – Der Weg zurück ins Leben“
Am Mittwoch, den 19.03.2014 um 19 Uhr
in der Co-Working-Community HUB Munich, Gotzinger Str. 8 in 81371 München
Anmeldung unter
Organisationspauschale: 25 Euro (inkl. Getränke)

„Chancen und Risiken der Psychischen Gefährdungsbeurteilung“ – Was Kleinunternehmer in der Region zur Änderung im Arbeitsschutzgesetz zum 01.01.2014 wissen müssen

München. Unternehmen müssen sich nun zum Thema Prävention auch mit psychischen Belastungen befassen. Bereits Ende September 2013 hat der Bundesrat eine Gesetzes-novelle zum Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) zum 01.01.2014 verabschiedet, nach der bei der Gestaltung wie auch bei der Gefährdungsbeurteilung von Arbeits­plätzen durch den Arbeitgeber nun auch psychische Belastungen zu berücksichtigen und danach entsprechende Maßnahmen umzusetzen sind. Dabei muss beurteilt werden, wie stark und durch welche Sachverhalte und Stressfaktoren Mitarbeiter bei der Arbeit gefährdet werden könnten. Anschließend wird vereinbart, wodurch diese Belastungen abgestellt werden.

„Obwohl die Gesetzesänderung schon seit Anfang des Jahres gilt, scheinen sich viele Unternehmer noch nicht darüber bewusst zu sein, dass sie im ‚Fall eines Falles‘ von den Kranken- oder Unfallkassen in die Haftung genommen werden können.“, bemerkt Christina Bolte, Leiterin des Burnout-Helpcenters München, nach etlichen Gesprächen mit Unternehmern aus der Region. „Wenn ein Unternehmen dann nicht nachweisen kann, dass eine solche psychische Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde, kann dies einem kleinen Unternehmen schnell an die finanzielle Substanz gehen.“

Denn im Gegensatz zur bisherigen Fassung des ArbSchG gibt es nun keinen Unterschied mehr zwischen Arbeitgebern mit mehr oder weniger als zehn Mitarbeitern. Somit ist es besonders für kleinere und mittlere Unternehmen wichtig, dass die Lösungen praktikabel und kostengünstig umsetzbar sind. Neben der Möglichkeit, Belastungen durch Umfragen zu erheben, bieten sich für kleine und mittlere Unternehmen besonders orientierende, quantitative (das heißt kennzahlen-basierte) Verfahren an.

Dennoch bietet die Umsetzung der Gesetzesnovelle auch Chancen: „Vor allem im Hinblick auf den zunehmend stärker spürbaren Fachkräftemangel auch in der Region München lohnt sich die Beschäftigung mit der Gesundheit der Mitarbeiter.“, weiß Expertin Bolte, die besonders auch kleinere Unternehmen in der Region München mit nachhaltigen und ganzheitlichen Angeboten hinsichtlich Gesundheit unterstützt.

Nach dem Vorbild von regelmäßigen Knowhow-Transfers in Baden-Württemberg möchte Christina Bolte für 2014 nun auch in München eine regelmäßige Veranstaltung „Untern-ehmens-Gesundheit im Dialog“ etablieren. Ziel dieser einmal pro Quartal stattfindenden Gesprächskreise ist neben dem Netzwerken auch der Erfahrungsaustausch. Denn fast jedes Unternehmen, unabhängig von dessen Größe, hat mittlerweile „echte“ oder „unechte“ Burnout-Fälle gehabt und muss sich daher Strategien erarbeiten wie Prävention und Betriebliches Eingliederungsmanagement nutzbringend und kostengünstig umgesetzt werden. Input erhalten die Teilnehmer bei jedem Gesprächskreis zusätzlich von einem unabhängigen Fach-Experten mit einem entsprechenden Themen-Vortrag.

Veranstaltungsdetails:

Vortrag „Psychische Gefährdungsbeurteilung – Herausforderung oder Chance?“

Am 20.02.2014 um 17 Uhr
in München-Obermenzing (Details werden bei Anmeldung bekannt gegeben)

Anmeldung unter muenchen@burnout-helpcenter.de

Interessierte Unternehmen aus dem Münchner Umland können sich unter der Email muenchen@burnout-helpcenter.de für die Veranstaltung anmelden oder sich unter der Telefonnummer 089-52 38 93 02 vorab informieren.

Buch-Neuerscheinung: Burnout – Vom Jakobsweg zurück ins Leben

München. Anders als in den meisten Büchern über den Jakobsweg erfährt der Leser des neu erschienenen Buches „Burnout – Vom Jakobsweg zurück ins Leben“, wie die Erlebnisse des Jakobsweges das weitere Leben “danach” beeinflussen können. Denn für Autorin Christina Bolte war der mehr zufällig und in ihrer damals üblichen Manier rastlos per Fahrrad absolvierte Jakobsweg Ausgangspunkt für eine radikale Wendung im Leben.

Humorvoll und selbstkritisch erzählt die Autorin, wie es zu dieser Wendung kam. Sie berichtet von ihrem Camino und von ihrem Leben, das sie damals in einen Burnout geführt hatte. Und sie beschreibt – für die Leser nachvollziehbar – die weiteren Schritte auf ihrem Erkenntnisweg, die sie dahin brachten, ihren Lebenswandel von Grund auf zu verändern, angefangen über eine aufwühlende Bekanntschaft, die sie auf dem Jakobsweg selbst kennengelernt hatte, über verschiedene freiwillige Seminare bis hin zu unfreiwillige Lernerfahrungen.

Heute bricht sie wiederkehrende Diskussionen im Bekanntenkreis freundlich aber bestimmt ab und achtet darauf, sich nicht ungebeten in die Angelegenheiten anderer einzumischen.

Leser, die ihr Leben verändern möchten, erhalten auf unterhaltsame Weise Ideen zum Nach-denken und Nachahmen. Gestressten Berufstätigen zeigt es mögliche Lösungswege aus dem Hamsterrad auf. So zum Beispiel erfährt der Leser, wie man sich auf spielerische Art von den eigenen überhöhten Ansprüchen, die bei vielen Burnout-Betroffenen anzutreffen sind, befreien kann. Gleichzeitig erhalten auch heimkehrende Jakobsweg-Pilger Anregungen, das Erlebte in ihren Alltag zu integrieren – was für die meisten nicht immer einfach ist nach einer langen Zeit auf dem Weg. Abgerundet wird das Buch von einem fachlichen Beitrag von Petra Seiter und Jürgen Loga, Gründer des europa-weit größten Netzwerks ganzheitlich arbeitenden Burnout-Experten, über die Hintergründe von Burnout und Psychosomatik.

3 Fragen an die Autorin Christina Bolte:
Frage: Was war für Sie das beeindruckendste Erlebnis auf dem Jakobsweg?
Christina Bolte: „Natürlich gab es auf dem Jakobsweg mehrere bewegende oder emotionale Momente, aber ein Erlebnis, an das ich mich auch heute noch regelmäßig erinnere, war die kurze Pause alleine auf der Blumenwiese auf der vorletzten Etappe. Zum einen war es damals für mich völlig untypisch, für so etwas eine Berg-abfahrt zu unterbrechen. Zum anderen hatte ich in keiner der vielen Kirchen, die ich am Weg oder zuvor besichtigt hatte, das Gefühl, Gott (oder welchen Namen auch immer man einer höheren Instanz geben mag) so nah zu sein.“

Frage: Was war der größte Schock danach?
Christina Bolte: „Als ich wieder zurück an meinen Arbeitsplatz kam und merkte, wie extrem hektisch und leistungsorientiert dort jeder seiner Tätigkeit nachging – wie fern- gesteuert. Zeit zum Wahrnehmen der Dinge ein wenig abseits des Tagesprogramms blieb gar nicht. Außerdem fehlten mir die frische Luft, der Kontakt zur Natur und die vielen teilweise rührenden, teilweise tiefsinnigen Gespräche mit anderen.“

Frage: Wie haben Sie gemerkt, dass Sie auf der richtigen Spur sind?
Christina Bolte: „Indem ich nun wieder Empfindungen wie Freude, Traurigkeit oder auch Ärger wahrnahm. Auch wenn sich Wut oder Traurigkeit natürlich nicht besonders angenehm anfühlen, so hatte ich durch die emotionalen Höhen und Tiefen nun wieder das Gefühl, auch im Alltag lebendig zu sein; so ähnlich wie die Ausschläge auf einem EKG – wenn die Linie nur noch gerade verläuft, schlägt das Herz nicht mehr, man ist tot. So ähnlich hatte es sich für mich vor dem Jakobsweg und während meines Burnouts angefühlt: Lebendig und emotional involviert war ich damals schon lange nicht mehr gewesen, ich hatte lediglich ‚funktioniert‘.“

Buchdaten:
© 2013 Verlag Petra Seiter
ISBN-13: 978-3-00-044503-3
ISBN-10: 300044503X
ISBN E-Book: folgt
Autorin: Christina Bolte
1. Auflage, November 2013
Broschiert, 168 Seiten
Sprache: Deutsch
Preis: Buch 14,90 EUR – E-Book: 10,99 Euro
www.weg-zurueck-ins-leben.de
Ab sofort im Buchhandel verfügbar oder direkt ab Verlag.

Wichtige Links:
Homepage des Buches: www.weg-zurueck-ins-leben.de
Homepage der Autorin: www.christina-bolte.de

Informationen zum Buch erhalten bei der Autorin:
Ansprechpartnerin für die Presse: Christina Bolte
Hans-Goltz-Weg 28
81247 München
Tel.: 089 – 52 38 93 02
Fax: 089 – 52 38 93 02
E-Mail:

Mehr über die Autorin: Bolte wurde 1974 in Hamburg geboren und arbeitete nach ihrem Wirtschaftsingenieurstudium zunächst im Finanzbereich in der Industrie. Nach verschiedenen Fortbildungen arbeitet sie heute als selbständige Heilpraktikerin in München mit dem Schwerpunkt ganzheitliche Burnout–Therapie und berät kleine und mittelständische Unternehmen im Hinblick auf Unternehmens-Gesundheit.
Ihr Herzensprojekt ist es, Menschen auf dem Jakobsweg aus dem Burnout heraus zu begleiten.

Gesunde Menschen – gesundes Unternehmen

Kürzlich wurde ich gefragt – weil mich meine Visitenkarte als Wirtschaftsingenieurin und Burnout-Lotsin ausweist – wie denn diese beiden scheinbar so verschiedenen Berufs-bezeichnungen zusammenpassen würden. Oder ob ich “gescheitert” wäre – nun Letzteres hängt sicherlich primär von Ihrem Verständnis von Erfolg und Scheitern ab, fokussieren möchte ich mich in diesem Beitrag aber eher auf die erste Fragestellung.

Ganz einfach: In meiner ersten Berufslaufbahn (als Wirtschaftsingenieurin angestellt im Einkauf, aber hauptsächlich im Controlling eines produzierenden Großkonzerns) durfte ich mich primär dafür engagieren, dafür zu sorgen, dass “die Zahlen” passten.
Durch die Verbesserung der Kostenstruktur sollte ich meinen Beitrag dafür leisten, dass das betriebswirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens den Erwartungen von Aktionären und Geschäftsführung entsprach. Ob diese immer realistisch waren oder nicht, ist eine andere Frage, aber Fakt ist:

Ohne eine gesunde Zahlenbasis, ohne ein betriebswirtschaftlich gesundes Geschäftsergebnis –  kein gesundes Unternehmen. Und langfristig auch keine gesunden Mitarbeiter (wenn überhaupt welche).

Denn diese müssen ja entsprechend gezahlt werden. Das gilt für große Konzerne wie
für Ein-Mann-(oder Frau-)Unternehmen. Wenn im Unternehmen langfristig finanzielle Ressourcen mißachtet werden, hat auf Dauer niemand seine Freude an der Arbeit.
Insolvenz droht.
Das kann sich auf mehrere Arten äußern: Entweder gehen die Mitarbeiter (meist nicht freiwillig) aufgrund von Entlassungen, oder sie gehen von alleine – weil sie sich woanders bessere Chancen / mehr Geld / mehr Freude erhoffen.
Was auch ungünstig ist, denn erfahrungsgemäß gehen die engagiertesten und leistungs-fähigsten Mitarbeiter als erstes – und mit ihnen wertvolles Know-How.

In einem Kleinunternehmen ist es ähnlich: Wenn der Unternehmer und ggf. auch seine treuen Gefährten rund um die Uhr, rund ums Jahr ohne Urlaub am Rad drehen – in der Hoffnung so das finanzielle Ruder herumzureißen – begeben sie sich damit häufig an den Rand ihrer körperlichen Belastbarkeitsgrenze. Oder darüber hinaus, bis zum Zusammen-bruch. Leider bricht dann nicht nur der Unternehmer zusammen, sondern meist das Schiff, seines Unternehmens gleich mit.

Andersherum kann jedoch auch das Unternehmen nicht dauerhaft betriebswirtschaftlich gesund sein, wenn nicht auf die Ressource der physischen oder psychischen Gesundheit geachtet wird:
Ohne gesunde Mitarbeiter und ohne einen gesunden Unternehmer kein gesundes Unternehmen.
Logisch, denn wie kann ein Mensch, der angeschlagen ist, Schmerzen oder Sorgen anderer Art hat, ein gutes, innovatives und professionelles Ergebnis abliefern?
Apropos Ergebnis: Schon im Physik-Unterricht war Leistung ist Arbeit pro Zeiteinheit, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das heißt, wenn  “Arbeit” geringer wird und/oder die dafür benötigte Arbeitszeit ins Unendliche gesteigert wird, reduziert sich das Gesamt-ergebnis von “Leistung”. Länger Arbeiten hilft also auch nicht immer viel.

Und genau aus dem Grund, dass mir die Gesunheit des Leistungs- (nicht Kosten-!)Faktor Mensch mir in meiner bisherigen Laufbahn zu kurz kam, dass ich den Eindruck gewann, dass häufig die wirtschaftliche Gesundheit des Unternehmens zu Lasten der physischen oder psychischen Gesundheit der Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt wurde, widme ich mich heute dem Thema aus einem anderen Blickwinkel. Es ist also kein Widerspruch, sondern vielmehr ein Perspektivenwechsel.

Wie nun offensichtlich geworden ist, ist das Gebilde aus Gesundheit des Unternehmens und Gesundheit der Mitarbeiter ein unschöner Teufelskreis. Was können Sie als Unter-nehmer also tun? Achten Sie auf und investieren Sie in ein wichtiges Gut – die eigene und die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter.

Das geht am besten wenn Sie sich dazu temporär jemanden mit an Bord holen – zum Beipiel einen Lotsen. Idealerweise jemanden, der sich sowohl mit Gesundheit als auch mit Finanzen auskennt. Und damit wären wir wieder bei der Eingangsfrage, was ein Wirtschaftsingenieur/Controller mit einem Burnout-Lotsen gemeinsam hat…

Bitte bleiben Sie gesund!
Herzlich

Ihre Christina Bolte

Nachhaltigkeit und Burnout -Teil 4

In meinem letzten Beitrag schrieb ich über den Zusammenhang von Burnout, Konsum und Lebensfreude – und versprach Ihnen abschliessend, wie jeder von uns es schaffen kann, seine persönliches Maß an Lebensenergie bestmöglich zu erhalten. Es hat ein wenig gedauert, aber hier ist der Beitrag nun endlich…

Just in dem Moment, wo ich dieses schreibe, kommt mir spontan das Bild eines zarten Pflänzchens, dass von einem Gärtner liebevoll gepflegt und gegossen wird – und damit schließt sich auch wieder der Kreis zum ersten und zweiten Beitrag dieses Zyklus, denn mit dem Wort “Pflege” kommen wir wieder zum Begriff Kultur…

Natürlich sind weder Konsum noch Abenteuer und Erlebnis an sich etwas Schlechtes. Wichtig dabei ist jedoch zu hinterfragen  – am besten zunächst einmal sich selbst – mit welcher Einstellung ich etwas tue.

Greife ich gerade – und immer wieder – zur Schokolade (kann an dieser Stelle alternativ ersetzt werden durch Chips, Bier, Wein u. v. a.), weil ich Hunger habe oder Durst, um mich zu belohnen, um mich zu trösten oder sehne ich mich eigentlich nach etwas anderem?
Ich habe häufig erlebt, dass es eigentlich die Sehnsucht nach Anerkennung oder “Gesehen werden” ist die gestillt werden möchte, oder eine Innere Leere möchte gefüllt werden.

Die tägliche Nahrungssuche  stellt für die meisten von heute uns kein alltägliches Problem oder keine Lebensbedrohung mehr dar,  denn wenn Sie dies lesen, ist davon auszugehen, dass Sie neben einem Dach über den Kopf auch einen Computer oder ein anderes “mobiles Endgerät” wie es so schön heißt besitzen. Somit ist für die materiellen Bedürfnisse, um ein zufriedenes Leben führen zu können, gesorgt und unsere tägliche Arbeit ermöglicht uns häufig auch in großem Umfang (finanzielle) Unabhängigkeit, einen individuellem Ausdruck und Anerkennung.

Wie kann es wie es zu dieser Inneren Leere kommen? Aus meiner Sicht liegt es mitunter daran, dass wir in unserer Arbeit häufig nicht all unsere Fähigkeiten und Kenntnisse zum Ausdruck bringen und damit nicht unser volles Potenzial ausnutzen können. Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow nannte dies Wunsch nach “Selbstverwirklichung”.
Oder die Tätigkeit steht nicht im Einklang mit unserem persönlichen Wertegefüge. Wenn zum Beispiel im Job eine gewisse Kaltschnäuzigkeit und Rationalität gefordert sind, ich aber eigentlich lieber einen empathischen Umgang mit meinen Mitmenschen pflegen möchte, kann dies auf Dauer krank machen.

Insofern ist es wichtig, dass wir uns “zur richtigen Zeit im richtigen Job” befinden. Sind wir es nicht, heißt es Handeln – idealerweise bevor unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden leiden.

In diesem Sinne – halten Sie nach!

Ihre Christina Bolte

Was Nachhaltigkeit mit Burnout zu tun hat – Teil 3

In meinen letzten beiden Beiträgen zum Thema Nachhaltigkeit (die Sie hier und hier finden), hatte ich mich mehr auf die Auswirkungen und Handlungsspielräume in einem Unternehmen gewidmet. Aber auch jeder und jede Einzelne ist von diesem Thema betroffen.
Denn wie ich in meinem ersten Beitrag erwähnte, hat Nachhaltigkeit viel mit einen verantwortungsvollen und weitsichtigen Umgang mit Ressourcen zu tun.

Ich möchte an dieser Stelle weniger darauf eingehen, inwieweit jeder einzelne seinen Beitrag zu den übergeordneten umweltbezogenen Aspekten leisten kann. Die Ressourcen, die ich jedoch gerne ansprechen möchte, sind Geld und Lebensenergie (oder allgemeiner formuliert: Gesundheit).

Ganz offensichtlich wird dies am Beispiel des Geldes: Wer langfristig mehr Geld ausgibt als er auf dem Konto hat, oder zumindest als regelmäßig wieder eingenommen wird, dem droht die (Privat-)Insolvenz. Zwar wollen es Kreditinstitute oder bankähnliche Unternehmen es den Konsumenten weis machen, wie “günstig” doch ein Ratenkauf oder eine Finanzierung ist, um damit den eigenen Umsatz zu fördern. Allerdings sind diese meist auch die letzten, die bereit sind auf ihre Forderungen zu verzichten, wenn der Gläubiger später – aus welchen schicksalhaften Umständen auch immer – zahlungsunfähig sein sollte.

Dennoch schränkt jede Kreditaufnahme, die zu mehr oder weniger kurzfristigen Konsumzwecken getätigt wird und der keine Einsparungen oder Einnahmen entgegen stehen (denn dann wäre es eine Investition) bis zu dessen Rückzahlung den zukünftigen (finanziellen) Handlungsspielraum ein.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Lebensenergie: Gemäß den chinesischen QiGong-Meistern wird jeder Mensch mit einem bestimmten Potenzial an Lebensenergie geboren – die allgemeine Lebensführung wie auch erworbene Krankheiten erschöpfen dieses Lebensenergiekapital eines Menschen unterschiedlich stark.

Das bedeutet, dass dauerhafter Stress im Alltag, mangelnde oder übertriebene Ausübung von Sport wie auch schlechte Ernährungsgewohnheiten genauso “Substanz-zehrend” für den Menschen sind, wie ein zu großer Konsum für ein Bankkonto. Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen, Burnout oder Depressionen können die Folge sein. Ob es in den chinesischen Lehren so etwas wie einen Lottogewinn für die Lebensenergie gibt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies beispielsweise einer Phase der frischen Verliebtheit vergleichbar ist, wenn man wochenlang beflügelt durch die Welt geht. Aber – wie beim Lotto auch – dauert die Euphorie meist nicht allzu lange an.

In meinem Umfeld oder in meiner Praxis höre ich immer wieder, viele der eben erwähnte Erkrankungen oder Depressionen seien angeboren – oder zumindest erblich bedingt. Das stimmt leider nur teilweise: Denn genetisch bedingt ist immer nur eine bestimmte Anlage oder Wahrscheinlichkeit, vergleichbar einer angeborenen Schwachstelle (in der Medizin spricht man von einer Disposition).
Durch übernommene oder neu erworbene Fähigkeiten und gesunde bzw. ungesunde Verhaltensweisen kann aber jeder Mensch darauf Einfluss nehmen, ob diese Art Soll-Bruchstelle tatsächlich anknackst oder stabil bleibt.

Wie ich bereits hier schrieb, muss dabei ein auf Abenteuer und Erlebnis ausgelegter Lebensstil nicht einmal im Widerspruch stehen zu einem gesundheitsbewußten Lebensstil und Lebensfreude.
Tut ein Mensch alles ihm Mögliche, um seine Lebensenergie – wie viel oder wenig ihm davon auch immer mit auf die Welt gegeben wurde – so gut wie möglich zu erhalten, ist dies aus meiner Sicht ein nachhaltiger Umgang mit den persönlichen Energieressourcen.

Wie das konkret gehen kann, können Sie demnächst im vierten Teil lesen…

Was Nachhaltigkeit mit Burnout zu tun hat – Teil 2

Beim letzten Mal hatte darüber geschrieben, dass Nachhaltigkeit sich nicht nur auf umweltpolitische Aspekte in einem Unternehmen bezieht sondern auch Auswirkungen auf dessen Personalpolitik haben kann und sollte.

Denn wird die “Ressource Mensch” dauerhaft vernachlässigt, kann das für ein Unternehmen langfristig verschiedene Auswirkungen haben:

  • Beispielsweise kann durch plötzliche Kündigung oder (Früh-)Pensionierung von Mitarbeitern wichtiges Know-How verloren gehen, sofern dies nicht im Rahmen einer persönlichen Übergabe oder von Wissensmanagement-Projekten weitergegeben wurde   – oder –
  • Aufgrund der im letzten Beitrag erwähnten psychischen Erkrankungen, die erfahrungsgemäß meistens über mehrere Monate andauern, steht dem Unternehmen die entsprechende Arbeitsleistung sowie ebenfalls deren Know How zumindest temporär nicht zur Verfügung.
  • Von den Krankheitskosten, die durch die Abwesenheit des Mitarbeiters entstehen, einmal abgesehen, entsteht dem Unternehmen möglicherweise auch dadurch weiterer Schaden, dass seine Zuverlässigkeit und seine Termintreue gegenüber den Geschäftspartner sinkt.
  • Wenn nun die anstehenden Aufgaben auf die verbleibenden Mitarbeiter verteilt werden, deren Arbeitszeit (und Belastbarkeit!) aber nun einmal ebenfalls begrenzt ist, riskiert der Vorgesetzte den Ausfall weiterer Mitarbeiter.
    Im Fachterminus heißt dies “Burnout-Kaskade”.

Was können Sie also tun, um einerseits die physische wie psychosoziale Gesundheit der Mitarbeiter und deren Knowhow (und damit die Leistungsfähigkeit) sowie andererseits die Motivation und Begeisterungsfähigkeit (also die Leistungs-bereitschaft) seiner Mitarbeiter zu erhalten?

Nun, aus meiner Sicht sind dafür mehrere Faktoren erforderlich, von denen die klassischen die nach außen ersichtlichen Entlohnungsfaktoren sind:

  • Die fixe und erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile, das können sein Firmenautos oder -telefone, private Nutzung von diestlich erworbenen Freimeilen oder andere Incentives. Erfahrungsgemäß bietet eine Gehaltserhöhung aber immer nur kurzfristige Movitation und Befriedigung, bis sie für den Mitarbeiter als “normal” empfunden wird. Dieser Lösungsansatz allein ist also nicht ausreichend.
  • Genausogut können das aber auch Leistungen sein, die direkt oder indirekt die Gesundheit der Mitarbeiter beeinflussen, wie eine ggf. bezuschusste Kantine, Zuschüsse für Mitgliedschaften im Sportverein oder Fitnessstudio, Entspannungs- und sonstige Freizeitangebot.
  • Auch Firmenkindergärten, flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zu Teilzeit oder Heimarbeitsplätze vereinfachen vor allem den Alltag von Mitarbeiter/innen mit Kindern und wirken sich so positiv auf deren Motivation aus.

Der Vorteil dieser Maßnahmen ist nicht nur, dass diese nicht nur gut meß- und kalkulierbar sind. Sie lassen sich auch nach außen hin wunderbar nachvollziehen und vermarkten (z. B. auf der firmeneigenen Website).

Nicht zu unterschätzenden Einfluss haben jedoch auch das Unternehmensklima und der allgemeine Umgang unter den Mitarbeitern bzw. zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Und damit schließt sich auch fast schon wieder der Kreis zur Forstwirtschaft, die ich am Anfang des ersten Teils erwähnte. Denn Kultur (von lat. cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“; Quelle: Wikipedia) hat eben viel mit „pflegen” und auch mit “verehren” zu tun, also mit dem gegenseitigen Umgang.

Genausowenig wie ich von einem Acker oder Garten, den ich nicht dünge und/oder gieße, erwarten kann, dass er einen reichen Ertrag bringt, kann ich das von einem Mitarbeiter, den ich nie lobe oder fördere oder im schlimmsten Fall noch mit Jobverlust erpresse. Die schwäbische Mentalität “Nicht geschimpft ist Lob genug” ist an dieser Stelle wirklich kontraproduktiv, denn – und das muss selbst ein Schwabe zugeben – ein (ehrlich gemeintes) Lob ist nicht nur die kostengünstigste Motivation, die Sie Ihren Mitarbeitern bieten können, sondern wirkt sich positiv auf deren Motivation wie auch auf das Betriebsklima aus.

Zu einem Minimum an Kultur gehört es aus meiner Sicht, die Kollegen im gleichen Büro zu Arbeitsbeginn zu begrüßen, pünktlich zu Besprechungen zu erscheinen und während dieser nicht nebenbei mit dem Handy zu telefonieren. Ich persönlich habe es häufig genug als unangehm und auch demotivierend erlebt, wenn ich als Vortragende einer Präsentation o. ä. zu Menschen spreche, die mehrheitlich vor ihrem eigenen Laptop ihre Emails bearbeiten.

Eine andere Frage, die Sie sich stellen können ist jedoch, ob es in Ihrem Unternehmen eher eine Kultur des Mißtrauens und des Gegeneinander bzw. der “Verdrängung” gibt, in der jede anstehende Leistungsbeurteilung den Mitarbeitern bereits im Vorwege wochen-lang schlaflose Nächte beschert?

Oder herrscht bei Ihnen eher eine Vertrauenskultur gibt, in der jeder Mitarbeiter seine Bedenken und Kritik ohne Angst vor Nachteilen äußern und in der jeder jeden bei Bedarf ansprechen kann. Auch gehört dazu, offen zu Fehlern stehen zu können, damit diese so rasch und lösungsorientiert wie möglich korrigiert werden, anstatt sie zu verschleppen, was eine Behebung meist langwierig und teuer werden läßt.

Natürlich ist dies alles schwer messbar, erst recht von außen. Ein Unternehmens-Leitbild kann ein Indikator für die Unternehmenskultur sein, muss es aber nicht. Denn so ein Leitbild hat natürlich nur eine positive Auswirkung auf die Mitarbeiter-Motivation und
-gesundheit, wenn den Mitarbeitern darin auch ein entsprechend hoher Stellenwert als Erfolgsfaktor und nicht als Kostentreiber eingeräumt wird. Natürlich wirkt er sich erst recht nur positiv aus, wenn es auch entsprechend gelebt wird.

Dabei ist Unternehmenskultur nichts, was sich von heute auf morgen verordnen lässt, sondern etwas, was sich über Jahre bis Jahrzehnte aus gelebter Praxis entwickelt, am besten, indem die oberste Geschäftsführung mit gutem Beispiel vorangeht. Wobei das mit dem Vorleben allerdings manchmal ein wenig schwierig ist, denn was der eine als angenehm empfindet, mag einem anderen Kollegen sauer aufstossen.

So zum Beispiel ist der Spruch, der sich an einen um 17 oder 18 Uhr Feierabend machenden Kollegen richtet: “Nimmst Du heute wieder einen halben Gleittag” zwar meist scherzhaft gemeint. Dennoch ist er weder für die psychosoziale Gesundheit der einzelnen Mitarbeiter noch für das Betriebsklima wirklich dienlich, da unter den Mitarbeitern ein gewisser Leistungsdruck und Angst vor Versagen bzw. Nicht-Genügen erzeugt wird. Darüber hinaus wird durch Sprüche dieser Art auch ein gewisser Wettbewerb unter den Kollegen geschürt, die Mitarbeiter verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, sich aufwendig persönlich abzusichern und zu allen Seiten abzustimmen. Entscheidungsfreude und wahres Unternehmertum bleiben so auf der Strecke.
In diesem Fall werden die oben als Motivationsfaktoren angeführten Maßnahmen aus Angst vor persönlichem Imageverlust (“Wenn er Zeit für so etwas hat, hat der nichts zu tun,” oder “Wer lacht, hat noch Ressourcen frei”) nicht genutzt und verkümmern so zu blosser Kosmetik.

Zu einer wirklich nachhaltigen Form der Unternehmenskultur gibt Ihnen dieser Beitrag zum Thema “Gesundheitsgerechte Unternehmenskultur“, den ich gerade im Web entdeckt habe, ein paar Anregungen.

Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion!

Was Nachhaltigkeit mit Burnout zu tun hat – Teil 1

Nachhaltigkeit ist ja mittlerweile schon fast ein alter Hut, kaum einer mag es mehr hören.
Ursprünglich aus der Forstwirtschaft kommend, mit der Bedeutung, dass nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann (vgl. Wikipedia, Begriffs-herkunft), wird der Begriff heute eher in dem Zusammenhang mit der Bedeutung eines verantwortungsvollen und weitsichtigen Umgangs mit natürlichen oder schwer zugänglichen Ressourcen verwendet.

Egal, ob es sich um die Optimierung des Energieeinsatzes, die Verwendung nachwachsender Rohstoffe oder alternativen Energiequellen oder ein gezieltes Abfallmanagement – häufig bezieht sich der Begriff Nachhaltigkeit auf Bereiche des Umweltschutzes. Wobei kaum ein Unternehmer sich dieses Themas aus reinem Gutmenschentum heraus annimmt, denn viele der genannten Maßnahmen schonen auch den eigenen Geldbeutel.

Denn auch der Faktor Geld ist eine Ressource, mit der es nachhaltig umzugehen heisst. Denn wenn ein Unternehmen (oder auch eine Privatperson oder -haushalt) dauerhaft mehr Geld ausgibt als zur Verfügung steht, führt dies unweigerlich zur Insolvenz.

Um dem steigenden Kostendruck gerecht zu werden und dies zu vermeiden, greifen Unternehmer häufig zu vielfältigen Maßnahmen: Kosteneinspar-Pakete und Stellenabbau sind die häufigsten, über die in der Presse zu lesen ist. Somit sollen Personalkosten eingespart werden und die bestehende Arbeit durch weniger Mitarbeiter erledigt werden.

Leider wird dabei häufig übersehen, dies zwar vordergründig nachhaltig zu sein scheint, langfristig dabei allerdings auf Kosten des Personals (engl.: Human Ressource) gehandelt wird. Es mag zwar makaber klingen, Mitarbeiter als Ressource zu betrachten, dennoch finde ich den Vergleich im Zusammenhang mit dem Begriff Nachhaltigkeit gar nicht so abwegig. Denn zum einen handelt es sich tatsächlich um eine natürliche Ressource, um lebendige Menschen aus Fleisch und Blut, die ihre Fachkenntnis und Begeisterungsfähigkeit in ihre Arbeit mit einbringen. Und auch wenn sich diese Tatsache noch nicht flächendeckend herumgesprochen hat – ist die Ressource aber durchaus schwieriger zugänglich, als es scheint. Stichwort: Demografischer Wandel.
Darüber hinaus läßt sich auch feststellen, dass Menschen nicht unbegrenzt belastbar sind, die Medien waren in den letzten paar Jahren voll von Berichten über steigende Fallzahlen von Burnout, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.

Daher, lieber Unternehmerinnen und Unternehmer, möchte ich an dieser Stelle plädieren für einen nachhaltigen Umgang mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Man kann heutzutage viele Produktionsschritte und andere Prozesse automatisieren. Aber in einem können die ganzen Maschinen und Anlagen mit Menschen nicht mithalten: Mit Leidenschaft und Weiterdenken.

Deshalb: “Pflegen und warten” Sie Ihr Personal, und gönnen Sie ihnen angemessene Auszeiten. Denn nicht nur Maschinen und Anlagen haben eine Auslegungsgrenze und benötigen Wartungsintervalle, für Mitarbeiter gilt das gleiche.

Wenn Sie dabei Unterstützung brauchen, helfe ich Ihnen gerne weiter.

Herzliche Grüsse und
ein erholsames Wochenende

wünscht Ihnen
Christina Bolte